Das Gänsefingerkraut – die Heilpflanze im September

Das Gänsefingerkraut – Potentilla anserina

Das Gänsefingerkraut oder Potentilla anserina ist eine sehr unscheinbare Pflanze und zählt zu den Rosengewächsen – Rosaceae. Es wächst als Pionierpflanze auf Schuttplätzen, verdichtetem Untergrund oder gedüngten Feldern genauso wie an Wegrändern und auf Wiesen, in den gemäßigten Zonen auf der Nordhalbkugel. Ihren Namen verdankt es unter anderem der Tatsache, dass es früher häufig auf Gänsewiesen anzutreffen war und von diesen auch gerne gefressen wird. So mancher Landwirt hat früher mit dieser Pflanze die Koliken seiner Tiere behandelt und Koliken sind auch immer noch eines seiner Haupteinsatzgebiete. Was es aber noch zusätzlich vermag, wo wir es finden und sammeln können erfahrt Ihr in dem folgenden Artikel.

Die Geschichte des Gänsefingerkraut

In den Schriften der Antike sucht man das Gänsefingerkraut vergeblich, was daran liegen mag, dass es eher eine Pflanze der Nordhalbkugel ist und in den südlichen Regionen nicht vorkam. Im Gegenzug fand es in alten Germanischen Schriften sehr wohl Erwähnung. Hier findet man den Einsatz von Gänsefingerkraut in einer Kräutermilch bei Krämpfen, die sogar als Schutz vor Tetanus (Wundstarrkrampf) eingesetzt wurde. Gegen Blutvergiftung wurde sie ebenfalls getrunken und die ausgekochten Blätter auf die Wunde gelegt. Milch hat den Vorteil, dass die fettlöslichen Inhaltsstoffe der Pflanze besser gelöst und aufgenommen werden können.  In der Sagenwelt der Germanen wurde das Gänsefingerkraut von Elfen und Pflanzengeistern besiedelt, die sich im Mondschein auf den Blättern zum plaudern und tanzen zusammenfanden. Das Christentum bringt eine Verbindung der Blüten des Gänsefingerkraut zu Maria, da sich die Blütenblätter bei Regen wie ein Mantel schützend über die Blüten legen. Auch Kräuterheilkundige wie Pfarrer Sebastian Kneipp und Dr. Gerhard Madaus erwähnen das Gänsefingerkraut in ihren Büchern. 

Phytotherapeutischer Einsatz von Gänsefingerkraut

Wie schon im ersten Abschnitt erwähnt, ist das Gänsefingerkraut eine krampflösende Heilpflanze. Es wirkt auf die glatte Muskulatur und kann bei den verschiedensten krampfartigen Beschwerden eingesetzt werden. Angefangen bei Muskelkrämpfen, hier kann man das frische zerquetschte Kraut auf die betroffene Stelle legen und zusätzlich als Tee trinken. Es wirkt bei krampfartigen Menstruationsbeschwerden ebenso, wie bei Koliken im Magen-Darm Trakt. Auch bei Kindern und Säuglingen kann ein Tee aus Gänsefingerkraut sowohl bei Koliken, als auch bei einem krampfartigen Verschluss des Magenausgangs (Pylorusstenose) eingesetzt werden. Selbst bei Migräne oder leichten Herzbeschwerden (Angina Pectoris) findet es seine Verwendung.

Wie Ihr seht hat es den volkstümlichen Namen “Krampfkraut” durchaus verdient!

Zu seinen therapeutischen Inhaltsstoffen zählen vor allem Bitterstoffe, Gerbstoffe, Flavonoide, Cholin und Schleimstoffe. Durch die Gerbstoffe wirkt das Gänsefingerkraut zusammenziehend und hat zusätzlich eine Blut- und Schmerzstillende Wirkung. Daher kann man es gut bei Entzündungen und Blutungen im Mundraum wie gegen Zahnfleischbluten einsetzen, die Wurzel kann man bei Parodontitis kauen. Des Weiteren gehören Anthocyanidine, Hydroxycumarine, Phenolcarbonsäuren, Polyphenole und Phytosterole zu seinen Wirkstoffen. Da es die Aufnahme von Mineralstoffen begünstigt, kann man es in Kombination mit anderen Pflanzen wie den Brennnesseln oder dem Giersch im Rahmen eines zu niedrigen Kaliumspiegels einsetzten. In dem Fall muss der Kaliumspiegel dann jedoch zeitnah kontrolliert werden.

Vorsicht ist geboten bei Schwangerschaft, da das Gänsefingerkraut auch auf die Muskulatur der Gebärmutter wirkt. Des weiteren kann es einen sogenannten “Reizmagen” verstärken, das heißt in diesem Fall werden die Beschwerden unter Umständen schlimmer.

Angewandt wird die ganze Pflanze, die Wurzel kann man im Frühjahr vor oder Herbst nach der Blüte ausgraben. Die Blätter und Blüten werden in den Sommermonaten geerntet und können frisch oder getrocknet als Tee oder Tinktur eingesetzt werden. Für die Kräutermilch wird das Kraut mit heißer Milch übergossen, ca. 10 Minuten ziehen gelassen und dann möglichst heiß getrunken.

 

Das Gänsefingerkraut - die Heilpflanze im September                                        Das Gänsefingerkraut - die Heilpflanze im September

Gänsefingerkraut
Gänsefingerkraut -Potentilla anserina

Wo man es eventuell findet erfahrt Ihr im nächsten Abschnitt !

Neues aus der Praxis Heilkraut

Schon am kommenden Samstag den 04.09. startet die letzte Heilkräuterwanderung in diesem Jahr um das Windebyer Noor, organisiert von der VHS Eckernförde. Ob wir dort auch Gänsefingerkraut finden?Anmeldungen sind noch möglich!

Weitere Heilkräuterwanderungen sind in diesem Jahr nicht mehr geplant, können jedoch nach Bedarf gerne jederzeit privat zusätzlich gebucht werden. Schreibt mich dazu an, damit wir Ort und Termin absprechen können.

Noch wenige Restplätze gibt es für dem Kurs “Heilpflanzen in der Erkältungszeit” ebenfalls in den Räumen der VHS Eckernförde am Samstag 06.11.2021. Der Kurs Ätherische Öle ist leider ausgebucht. Auf Grund der hohen Nachfrage wird es aber bestimmt im nächsten Jahr eine Wiederholung geben. Wann das genau sein wird, erfahrt Ihr hier aus erster Hand. 

Bleibt gesund und bei Fragen wendet Euch gerne jederzeit an mich !

Eure Charlotte Bronst