Das Mutterkraut – die Heilpflanze im August

Das Mutterkraut – Tanacetum parthenium


Sowohl an Straßenrändern als auch in Gärten sieht man häufig diese dem Gänseblümchen, der Kamille oder einer Margerite ähnelnde Pflanze. Doch nichts von alledem ist es, auch wenn das Mutterkraut botanisch gesehen ebenfalls zu den Korbblütlern oder Asteraceae zählt, wie die anderen genannten Blumen auch. Dass es schon von Alters her eine Pflanze für Frauen bzw. Mütter ist, erkennt man ja schon am Namen, aber warum ist da so? Auf diese Frage möchte ich im folgenden Artikel eingehen.

Die Geschichte des Mutterkraut

Schon von Pedanios Dioskurides (54–68 n. Chr.) wurde das Mutterkraut bei Fieber und Kopfschmerzen eingesetzt. Hildegard von Bingen(1098-1179) wendete es an, um die Menstruation zu fördern, da es entkrampfend auf die Uterusmuskulatur wirkt. Auch Kopfschmerzen waren bei Hildegard von Bingen eine Indikation zum Einsatz von Mutterkraut. Aber auch als Abrotivum (Abtreibungsmittel) wurde es im Mittelalter eingesetzt. Paracelsus (1493- 1541) verwandt es ebenfalls hauptsächlich bei Fieberschüben. In der Erstbeschreibung des Schwedischen Naturforschers Carl von Linné 1707-1778) hieß das Mutterkraut noch Matricaria (Matrix-Gebährmutter) parthenium, inzwischen wird es botanisch aber dem Rainfarn zugeschrieben, daher der Namesteil Tanacetum.

Phytotherapeutischer Einsatz von Mutterkraut

Heute gilt das Mutterkraut vor allem als Heilpflanze gegen Kopfschmerzen und Migräne. Es hat auch eine sogenannte Positiv-Monographie der Kommission E als Heilpflanze für diese Erkrankungen. Die Hauptwirkung wird hier einem der verschiedenen Sesquiterpenlactone, dem Parthenolid zugeschrieben. Seine krampflösende Wirkung sorgt nicht nur für Besserung von Übelkeit, Erbrechen uns Schwindel, sondern hat auch Einfluss auf die verengten Blutgefäße, die beim Migräneschmerz eine Hauptrolle spielen. Dabei wird das im Sommer geerntete blühende Kraut (also Blüten und Blätter) angewandt. Zur Teezubereitung kann man es sammeln und trocknen oder man greift zu Fertigarzneimitteln. Mutterkrauttee schmeckt bitter und ist vielleicht nicht jedermanns Sache, allerdings bewahrt es dadurch auch davor, dass man zu viel zu sich nimmt. In der Akutphase trinkt man 3x täglich eine Tasse, dafür werden 1,5 g (1 Teelöffel) mit 150ml heißem Wasser übergossen und zugedeckt (wegen der ätherischen Öle) für 15 Minuten ziehen gelassen. Im Sommer kann man sich ein frisch gepflücktes Blatt auf die geschlossenen Lieder legen, auch dies verschafft bereits Linderung. Zur regelmäßigen Anwendung, um die Häufigkeit der Anfälle zu reduzieren, eigenen sich eher Fertigpräparate. Sie müssen, ähnlich wie das Johanniskraut, über einen längeren Zeitraum (bis zu einem halben Jahr) eingenommen werden um ihre Wirkung entfalten zu können. Dann haben sie einen positiven Einfluss nicht nur auf die Häufigkeit, sondern auch auf die Heftigkeit der Migräneanfälle. Da Migräne selbstverständlich nicht nur Frauen betrifft, ist die Bezeichnung Mutterkraut oder Frauenkraut heutzutage wohl nur noch eingeschränkt gültig.

Bei schmerzhaften Menstruationsblutungen (Dysmenorrhoe) trifft der Name dann schon wieder eher zu. Hier kann seine entkrampfende Wirkung ebenfalls Erleichterung verschaffen. Wie schon Hildegard von Bingen, kann man es bei krampfartigen Schmerzen und verzögert einsetzenden Menstruationsblutungen anwenden. Gehen die Blutungen hingegen mit krampfartigen Schmerzen einher und sind zu stark, sollte man eher an Schafgarbe denken.

Keine Einnahme in der Schwangerschaft! 

Weil es, wie schon im Abschnitt über die Geschichte erklärt wurde, zur Fehlgeburt kommen kann. Hilfreich ist es dagegen in der Austreibungsphase unter der Geburt, da es die leichtere Ablösung der Plazenta fördert.

Neben der Übelkeit und dem Erbrechen bei Migräne kann das Mutterkraut auch bei krampfhaften Magen-Darm Beschwerden eingesetzt werden. Als Fieberkraut wird es inzwischen nicht mehr angewendet, allerdings sind Korbblütler allgemein für ihre fiebersenkende Wirkung bekannt.

Als Korbblütler hat das Mutterkraut ein sehr hohes allergisches Potential! Dies ist, neben der drohenden Fehlgeburt in der Schwangerschaft, das Hauptrisiko bei seinem Einsatz und gilt sowohl für Tee als auch für die Fertigarzneimittel. Es kann zu leichten Schwellungen der Schleimhäute aber auch zu schweren Komplikationen kommen. Daher immer beachten!

Vorsicht bei einer bekannten Korbblütlerallergie!

Keine Anwendung bei Kindern!

Da eines der enthaltenen ätherischen Öle Kampfer ist, welcher bei Kindern zu Schwellungen des Atemtraktes führen kann, ähnlich einer allergischen Reaktion beim Erwachsenen aber unter Umständen deutlich schwerwiegender.

Wie für alle Heilpflanzen gilt, man sollte die Pflanze gut kennen, am besten im Eingen Garten/Balkon anpflanzen (dann freuen sich auch die Bienen). Bevor die Blüten zu sehen sind, kann es nur anhand der Blätter leicht zu einer Verwechslung mit dem auch für uns Menschen giftigen Jakobskreuzkraut kommen.

Also am besten bei einer meiner nächsten Heilkräuterwanderungen mitgehen, dort zeige ich die Unterscheidungsmerkmale auf die zu achten ist.

 

Mutterkraut
Mutterkraut
Mutterkraut
Mutterkraut
Mutterkraut
Mutterkraut

Neues aus der Praxis Heilkraut

Wie schon im Laufband auf der Startseite zu lesen ist. Findet die nächste Heilkräuterwanderung am Samstag den 14. August in Eckernförde statt. Hier möchte ich auf Heilpflanzen in der Stadt aufmerksam machen. Die Organisation dieser Wanderung liegt bei mir, daher Anmeldungen bitte über meine Mailadresse oder telefonisch. Wie schon bei den letzten Wanderungen wird es einen QR-Code zur Teilnahme geben, da wir draußen sind besteht aber keine Testpflicht.

Die im September geplante Heilkräuterwanderung am Windebyer Noor wird von der VHS Eckernförde organisiert, die Anmeldung erfolgt dort und es gibt auch noch wenige freie Plätze.

Ebenso bei den beiden Kurse im November Heilpflanzen bei Erkältungskrankheiten und im Dezember Ätherische Öle. Wobei es bei dem Kurs über ätherische Öle nur noch sehr wenige Plätze sind.

Ich freue mich darauf  Euch bei einer der Veranstaltungen wieder begrüßen zu dürfen.

Bis dahin bleibt gesund

Eure Charlotte Bronst