Das Schöllkraut – Heilpflanze im Juni

Das Schöllkraut – Chelidonium majus


Wer im Mai mit mir auf einer Heilkräuterwanderung war, hat die jetzt gerade blühende Pflanze kennen gelernt und weiss wo sie/er sie findet. Das Schöllkraut zählt zu den Mohngewächsen (Papaveraceae). Seinen botanischen Namen verdankt das Schöllkraut dem griechischen Wort „chelidon“, was im Deutschen Schwalbe bedeutet und sich auf seine Vegetationsphase bezieht. Es blüht, wenn die Schwalben kommen und es verwelkt, wenn die Schwalben wieder in den Süden ziehen. Der deutsche Name Schöllkraut auf das mitteldeutsche Wort „schëlkrūt“ was ehesten mit „Schälkraut“ übersetzt werden kann.

Die Warnung die ich bei meinen Heilkräuterwanderungen immer ausspreche, möchte ich in diesem Artikel präzisieren. Also genau lesen, denn Schöllkraut gehört in nur Therapeutenhände!

Die Geschichte des Schöllkrautes

Schon in der Antike wurde Schöllkraut eingesetzt, Dioskurides und Plinius beschreiben die Pflanze als Chelidonium majus. Hieronymus Brunschwieg, einer der sogenannten Väter der Botanik, bezeichnete das etwas früher blühende Scharbockskraut (Ficaria vernaals Chelidonium minor. Hildegard von Bingen schrieb in ihrer „Physica“ – dass das Schöllkraut ein „dunkles und herbes Gift“ in sich trage, das dem Menschen mehr schädlich als nützlich sei. Eine Erkenntnis, die sich inzwischen bestätigt hat. Allerdings setzte sie es äußerlich gegen verschiedene „Gebrechen“ ein. Trotzt alledem hat das Schöllkraut bis in die heutige Zeit, wenn auch eingeschränkt, seinen Platz in der Phytotherapie vor allem aber in der Homöopathie. Vor nicht all zu langer Zeit musste ein bewährtes Phytotherapeutikum in seinem Beipackzettel mit einer Warnung versehen werden, da es Chelidonium enthält. Welche Risiken von der Pflanze ausgehen erkläre ich im folgenden Abschnitt.

Phytotherapeutischer Einsatz von Schöllkraut

Die ersten Bemerkungen die oft von Teilnehmern bei Heilkräuterwanderungen über das Schöllkraut kommen, sind „das hilft gegen Warzen!“ Das ist auch korrekt, der gelb-orangefarbene Saft des Schöllkraut hat unter anderem eine antivirale Wirkung. Hierfür bricht man den Stiel der Pflanze ab und tupft den austretenden Saft 2 x täglich auf die Warze. Alternativ kann man mit der Chelidonium Urtinktur arbeiten. Aber Vorsicht, der Schöllkrautsaft wirkt stark reizend auf die umgebende Haut und kann daher auch zu einer Kontaktdermatitis führen. Dann die „Eigentherapie“ natürlich sofort beenden und sich in Therapeutenhände begeben.

Schöllkrautextrakte wirken auch antibakteriell antimykotisch, entzündungshemmend. Sie sind aber auch schwach giftig (zytotoxisch) für die menschlichen Zellen. Diese Wirkung wird auf die Inhaltsstoffe  Chelidonin, Coptisin und Protopin zurückgeführt. Aber auch die Wirkstoffe Chelerythrin und Sanguinarin wirken zytotoxisch. 

Chelidonin und Protopin wirken spasmolytisch auf die glatten Muskulatur und zentral sedativ, galletreibend wirkt Berberin, Chelidonin wirkt außerdem schwach analgetisch und so wird Schöllkraut häufig gegen krampfartige Beschwerden im Magen-Darm Bereich, so wie bei Beschwerden von Leber und Galle eingesetzt. In der Homöopathie ist Chelidonium ein häufig eingesetztes Leber- und Gallenmittel.

Früher verordnete man Cholerischen Menschen, denen bekanntlich schon mal „die Galle überläuft“ oder die „Gift und Galle spucken“ können, ein Amulett aus Schöllkraut. Sie sollten so ihr seelisches und körperliches Gleichgewicht wiederfinden. Heute weiss man, dass alkaloidhaltige Wirkstoffe einen krampflösenden und mild beruhigenden Effekt besitzen. Diese sogenannte „Signaturlehre“ schloss von den äusseren Merkmalen einer Pflanze und ihrem „inneren Wesen“ auf die medizinische Verwendung. Diese wurde zum Beispiel von Paracelsus postuliert und hat beim Schöllkraut, ob wissentlich oder zufällig, voll ins Schwarze getroffen.

Es gilt also bei der Verwendung von Schöllkraut – in Maßen äußerlich! Für eine innere Anwendung sollte man auf jeden Fall zu homöopathischen Mitteln oder Kombinationspräparaten aus der Apotheke zurück greifen und dies am Besten unter therapeutischer Kontrolle. Für diese Pflanze ist der Satz „nur die Dosis macht, dass ein Ding kein Gift ist“ besonders wichtig!

blühendes Schöllkraut
blühendes Schöllkraut

Neues aus der Praxis Heilkraut

Die ersten beiden Heilkräuterwanderungen des Jahres waren ein voller Erfolg. Da es eine gehäufte Nachfrage vor allem für die Sommermonate gibt, in denen die VHS auf Grund der Ferien keine anbieten kann, möchte ich eine spontane Heilkräuterwanderung am Sonntag den 03.07.2022 durchführen. Genauere Informationen gibt es bei Anmeldung per Mail oder telefonisch. 

Die nächsten VHS Termine sind ebenfalls in „Arbeit“, es wird sowohl Heilkräuterwanderungen, als auch verschiedene Kurse mit Heilpflanzen und ätherischen Ölen geben. Sobald die Termine feststehen, werde ich sie hier veröffentlichen.

Bleibt gesund und bis bald 

Eure Charlotte Bronst