Der Meerrettich – die Heilpflanze im Dezember

Der Meerrettich – Armoracia rusticana


Den letzten Monat des Jahres möchte ich der Heilpflanze des Jahres 2021 widmen – dem Meerrettich. Er passt wie kaum eine andere Pflanze in diese kalte Jahreszeit. Nicht nur kulinarisch sondern auch als Heilpflanze. Diese Wurzel hat neben ihrem scharfen Geschmack, der manchem die Tränen in die Augen treibt, auch ein sehr hohes Heilpotential. Die Schärfe kommt von den sogenannten Senfölglykosiden, die wie der Name schon verrät auch im Senf und weiteren den Kreuzblütlern zugeordneten Pflanzen zu finden sind. Aber wogegen kann man diese Senföle einsetzen? Das erfahrt Ihr in dem folgenden Artikel.

Die Geschichte des Meerrettich

Dass der Meerrettich schon in der Antike bekannt war, belegt ein Wandgemälde aus Pompeii. „Radieschen ist mit Blei aufzuwiegen, Rettich mit Silber, doch der Meerrettich ist sein Gewicht in Gold wert“, diese Weisheit wird dem Orakel von Delphi zugeordnet.

Wobei der Meerrettich wohl ursprünglich aus der Region um die Moldau stammt und später von slawischen Völkern nach Mitteleuropa gebracht und ausgewildert wurde. In Ostrussland und der Ukraine findet man ihn auch heute noch in seiner Wildform.

Auch Hildegard von Bingen erwähnt die Pflanze als Heil- und Gewürzpflanze in ihren Schriften. Seine Verbreitung ist schon ab dem 12 Jahrhundert belegt und er wurde damals vor allem als „Scharfmacher“ in der Küche verwandt, als es noch keine Gewürze gab. Aber auch die Seefahrer hatten neben Sauerkraut Meerrettich an Bord, da dieser ebenfalls einen sehr hohen Vitamingehalt hat und somit als Schutz gegen Skorbut galt.

Phytotherapeutischer Einsatz von Meerrettich

Wer schon an einem meiner  Seminare über Heilpflanzen teilgenommen hat weiss, dass ich gerne schwarzen Rettich aushöhlen und ihn mit Kandiszucker befüllen lasse. Auch hier geht es um die Senföle, die man bei Erkältungskrankheiten nutzen kann.

Wer den geschmacklichen Unterschied zwischen Rettich und Meerrettich kennt, kann sich aber vorstellen, dass die Anteile an Senfölen in Meerrettich deutlich höher sind. Neben diesen sogenannten Isothiocyanaten (ITC) enthält die Meerrettichwurzel aber auch Phenolcarbonsäuren, Cumarine, die Vitamine C, B1, B2, B6, Flavonoide (Flavon, Quercetin), Mineralstoffe sowie Asparagin, Glutamin, Arginin, organisch fixierten Schwefel und das Enzym Meerrettich-Peroxidase. All diese verschiedenen Wirkstoffe machen den Meerrettich zu einer Pflanze, die im Winter regelmäßig auf dem Speiseplan stehen sollte. Denn sie sorgen nicht nur für den scharfen Geschmack, sondern kann sowohl Bakterien als auch Viren bekämpfen.

Bei häufigen Harnwegsinfekten oder einer Bronchitis  können die Inhaltsstoffe des Meerrettich gute Dienste leisten, denn sie bilden im Gegensatz zu Antibiotika keine Resistenzen. In Kombination mit Kapuzinerkresse gibt es ein Fertigpräparat aus der Apotheke Angocin Anti Infekt N®.

Da die Wirkstoffe im oberen Anteil des Dünndarms resorbiert werden, kommt es nicht wie bei Antibiotika häufig üblich, zur Störung des Darmmikrobions und dadurch auch nicht zu den dann typischen Durchfällen. Des weiteren hilft ITC gegen den sogenannten bakteriellen Biofilm und verhindert die Adhäsion (anheften) der Bakterien an z.B. die Blasenwand. Daher kann er sogar bei Problemkeimen wie dem MRSA oder Pseudomonas aeruginosa eingesetzt werden.  Der Abbau der Wirkstoffe erfolgt sowohl über die Niere, als auch über die Lunge, deshalb sind diese beiden Organe die Haupt Nutznießer beim Einsatz von Meerrettich.

Studien an verschiedenen Kliniken belegen aber auch eine sehr gute Wirkung gegen die typischen Erkältungsviren, so dass bei einer ansonsten unkomplizierten Virusgrippe auch Meerrettich zum Einsatz kommen kann. Zumal dadurch einer gleichzeitigen bakterielle Besiedlung vorgebeugt wird.

Meerrettich
Meerrettich

Neues aus der Praxis Heilkraut

Schon wieder ist ein Jahr fast vorbei. Viele schöne Tage aber auch schwere Zeiten haben wir in den letzten Monaten erlebt. Ich hoffe, dass es allen meinen Lesern und Patienten gesundheitlich gut geht und Ihr bis jetzt gut durch die Pandemie gekommen seid. Wir alle hoffen auf das nächste Jahr und das wir uns dann wieder zu vielen verschiedenen Wanderungen und Seminaren treffen können. Die ersten Termine für Heilkräuterwanderungen im Mai stehen schon fest. Sobald die Planung der VHS Eckernförde abgeschlossen ist erfahrt Ihr hier welche Seminare mit welchen Themen im nächsten Jahr stattfinden. Der Kurs ätherische Öle wird wohl auf Grund der hohen Nachfrage in mehrere aufgeteilt werden. So dass die Teilnehmer, die dieses Jahr nicht mehr daran teilnehmen konnten auf jeden Fall eine neue Chance bekommen. Auch Heilkräuterwanderungen und Workshops mit Heilpflanzen sind in Planung. Also lasst Euch überraschen!

Bis dahin wünsche ich Euch eine schöne (Vor)Weihnachtliche Zeit, alles Gute und bis nächstes Jahr!

Eure Charlotte Bronst 

P.S. Die Heilpflanze 2022 ist auch schon bekannt, die habe ich schon dieses Jahr im März vorgestellt. Es ist die große Brennnessel oder Urtica dioica, der Link bringt Euch zum Artikel. Viel Spaß beim lesen 

Eure Charlotte Bronst