Die Rosskastanie – die Heilpflanze im Oktober

Die Rosskastanie – Aesculus hippocastanum

Wer kennt ihn nicht diesen majestätischen Baum, den man als Allee und auch solitär überall in Deutschland findet. Im Frühjahr mit einer wunderschönen Blütenpracht, im Sommer kann man den Schatten unter seinem Blätterdach genießen und im Herbst haben die Kinder ihre Freude an den Früchten. Er gehört zur Gattung der Seifenbaumgewächse oder Sapindaceae, was man vor allem im Herbst merkt, wenn die Früchte von Autos überfahren zu einer seifigen Schicht auf den Straßen werden. Sie gehört damit einer anderen Gattung, als die „Esskastanie“ oder Marone an, auch wenn Schalen und Früchte sich ähnlich sehen. Schon 2008 wurde sie zur Arzneipflanze des Jahres gekürt. Aber ein Baum als Heilpflanze? Im folgenden Artikel erkläre ich warum das mehr als berechtigt ist.

Die Geschichte der Rosskastanie

Ursprünglich in ganz Europa heimisch, zog sie sich nach der letzten Eiszeit in die Mittelmeergebiete wie Griechenland oder die Türkei zurück. Erst im 16. Jahrhundert fand sie unter anderem durch die Feldzüge der Osmanen wieder zurück ins nordwestliche Europa. Daher findet man sie auch erst ab dann in den hiesigen Kräuterbüchern. Die Türken hatte die Früchte als Pferdefutter und Heilpflanze gegen „Dämpfigkeit“ und Husten der Pferde dabei. Ob der Namenszusatz „Ross“ daher stammt ist allerdings umstritten, es wird auch diskutiert, ob damit ein Unterschied zur essbaren Marone aufgezeigt werden sollte. Er wurde in der damaligen Zeit gerne auf Bierkellern gepflanzt. Da er als Flachwurzler nicht die  Keller zerstörte, gleichzeitig aber im Sommer durch seinen Schatten die Reife und Lagerung des Bieres begünstigte. Der Botaniker Carl von Linné hat den Namen „Aesculus“ von antiken Schriftstellern wie Horaz und Plinius übernommen, auch wenn diese damit eine essbare (edere bedeutet im lateinischen essen)  Eichenart meinten. Der Namensteil „hippocastanum“ wurde dann zu dem deutschen Rosskastanie. Man trug drei Früchte in der Tasche bei sich, da sie gegen verschiedene Krankheiten helfen sollten. Die eigentliche Heilwirkung erkannte man aber erst Ende des 19. Jahrhunderts. 

Phytotherapeutischer Einsatz der Rosskastanie

Auch heutzutage findet man noch gelegentlich die Blätter der Kastanie als Zutat in Hustentees, auf Grund des unguten Geschmackes aber sehr selten. 

Ein hoher Anteil an Gerbsäure so wie die Cumarinverbindung Aesculin in der Rinde wird als Sitzbad gegen Hämorriden Beschwerden und Juckreiz eingesetzt. Sie regt den Stoffwechsel an und und fördert die Durchblutung. Aber auch gegen Durchfälle kann die Kastanie helfen, auch wenn es dafür besser schmeckende Alternativen gibt. 

Im Sommer ist der Baum als Schattenspender beliebt, aber das Aesculin der Rinde wirkt auch als Sonnenschutzmittel, da es in der Lage ist die ultraviolette Strahlung zu binden. Deshalb hat es in Sonnenschutzmitteln seinen Einsatz.

Ihr Hauptwirkstoff ist allerdings das Triterpensaponin Gemisch Aescin, es wird aus den Früchten (Kastanien) gewonnen. Diese verschiedenen Substanzen wirken entzündungshemmend, kräftigen die venösen Blutgefäße und hemmen die Blutgerinnung. Daher ist ihr Haupteinsatzgebiet die sogenannte venöse Insuffizienz also Krampfadern, Besenreiser, schwere müde Beine und nächtliche Wadenkrämpfe. Bei Wassereinlagerungen oder Ödemen sorgt das Aescin für eine Abdichtung der Gefäße von innen, so dass die Flüssigkeit nicht so leicht aus den Gefäßen ins Gewebe fließen kann. Auch der Juckreiz der häufig mit Krampfadern einhergeht wird durch Aescin vermindert (ähnlich wie bei der Rinde). Für eine gute Wirkung sollte man hierfür auf Apothekenware zurückgreifen, da nur dort gesichert die benötigte Dosierung gewährleistet ist. Auch der Zeitraum ist hier länger anzusetzen, also eher Monate als die üblichen 6 Wochen, die ich zunächst gerne bei Eigenmedikation vorgebe. Da es zu Neben- und Wechselwirkungen kommen kann, ist auch immer eine therapeutische Begleitung notwendig. Neben gelegentlich auftretenden Magenschmerzen, müssen vor allem Menschen die blutgerinnende Medikamente einnehmen vorsichtig mit der Anwendung sein. Also besser immer bei mir anfragen.

Gegen leichtere Beschwerden kann auch eine Salbe eingesetzt werden. Sie hilft zum Beispiel bei Prellungen, aber auch vorbeugend bei langen Flugreisen oder bei dem sogenannten postthrombotischen Syndrom, also Beschwerden die nach einer Thrombose entstehen.

Blütenstände der Kastanie
Blütenstände der Kastanie
Die Rosskastanie - die Heilpflanze im Oktober
Blütenstände und Stamm einer Rosskastanie
Rosskastanie - Aesculus hippocastanum
Ein beeindruckender Baum

Neues aus der Praxis Heilkraut

Auch wenn die Heilkräuterwanderungen für dieses Jahr abgeschlossen sind, gibt es noch ein paar Events in diesem Jahr. Einer davon ist mein Kurs an der VHS Eckernförde wo ich Heilpflanzen gegen Erkältungskrankheiten und ihre Anwendung vorstelle. Noch gibt es zwei freie Plätze, also schnell anmelden! Der Kurs über ätherische Öle ist nun schon ausgebucht, aber ich biete ihn auf jeden Fall nächstes Jahr erneut an. Ebenso wie verschiedene Heilkräuterwanderungen im Rahmen des „Aktionsmonat Naturerlebnis“ im Mai. Sobald die Termine stehen, erfahrt Ihr es hier auf meiner Website. 

Als Idee habe ich vor ein paar Wochen, hier auf meiner Website eine kleine „Bildergeschichte“ zur Herstellung von Johanniskrautöl vorgestellt. Gleichzeitig habe ich den Artikel über das Johanniskraut als Heilpflanze überarbeitet und der jetzigen Form angepasst. Schaut mal vorbei und wenn es Euch gefällt, lasst mich wissen, ob Ihr solche Aktionen öfter sehen wollt? Dann werde ich mir immer mal wieder etwas in dieser Art einfallen lassen. 

Bleibt gesund und kommt gut durch die kalte und nasse Jahreszeit. Wenn es Euch doch mal erwischt, dann meldet Euch bei mir, Ihr wisst ja

Gegen jede Krankheit ist ein Kraut gewachsen!

Eure 

Charlotte Bronst