Die wilde Karde Heilpflanze im August

Die Karde – Dipsacus fullonum

Eine Distel, die keine Distel ist, sondern zur Familie der Geißblattgewächse, Unterfamilie Karde zählt, das ist die wilde Karde. Sie ist eine sogenannte Zisternenpflanze, da in ihren gegenständig verwachsenen Rosetteblätter ein Wassersammelbecken bilden, aus dem kleinere Tiere und Vögel aber auch Menschen trinken können. Ursprünglich im Mittelmeerraum beheimatet ist sie inzwischen Deutschlandweit zu finden, auch bei uns im Norden. Auf Grund ihres hohen Wuchses, sticht sie aus jedem Naturbeet heraus, wenn sie im zweiten Jahr ihre interessante, stachelige Blüte öffnet. Aber was an dieser stacheligen Pflanze kann  zur Heilung angewandt werden? Das möchte ich im folgenden Artikel beschreiben.

Die Geschichte der Karde

Der Name Dipsacus leitet sich vom griechischen „dipsa“ ab was soviel wie Durst bedeutet. Es spielt auf die Rosetteblätter an, in denen sich Regenwasser sammelt welches Menschen und Tiere trinken können. Der griechische Arzt Dioskurides empfahl, die Wurzel der Wilden Karde in Wein zu sieden und dann zu  zerstoßen, bis eine dicke, wachsähnliche Paste entstehe. Diese helfe gut gegen „Schrunden und Fisteln am Hintern“, sie vertreibe sogar Warzen. Die Erstbeschreibung in der Botanik erfolgte durch den Naturforscher Carl von Linné (1707 – 1778), aber schon die Wikinger haben diese Pflanze zu schätzen gewusst, wenn auch nicht als Heilpflanze. Sie haben mit den ausgehärteten Blütenständen (der Weberkarde) ihre gewebten Stoffe aufgeraut und somit Wasser- und Wind dichter gemacht, das sogenannte „Kardieren“. So werden bis heute zum Beispiel die Bezüge der Billardtische auf diese Weise behandelt. Auch wenn sie schon in früherer Zeit zur Gesundung eingesetzt wurde, zum Ruhm als Heilpflanze kam sie erst in der heutigen Zeit,  durch das Buch „Borreliose natürlich Heilen“ von dem Ethobotaniker Dr.Wolf-Dieter Storl. 

Phytotherapeutischer Einsatz der Karde 

Inhaltsstoffe der Kardenwurzel sind neben Gerb- und Bitterstoffen auch Iridoide, Saponine so wie organische Säuren als da wären Kaffeesäure, Inulin und Tannin.

Auf Grund der Gerb – und Bitterstoffe, vor allem die nicht nur in Kaffee enthaltene Kaffeesäure, kann man sich den Einsatz zum Anregen der Verdauung bei Verdauungsschwäche ableiten. Aber auch entgiftend und ausleitend kann man sie bei Lebererkrankungen, z.B gegen Hepatitis B (Gelbsucht), neben der Mariendistel als sehr nützliche Heilpflanze einsetzen. Auch sie hat ähnlich der Mariendistel eine Zellschutzfunktion. Die ausleitende und zellenschützende Wirkung kann auch bei Gicht eingesetzt werden, gleichzeitig hilft sie gegen einen erhöhten Cholesterinspiegel. Die Gerbstoffe lassen sich gegen Durchfälle abwenden.

Die zur Gruppe der Glykoside gehörenden Saponine haben eine Schmerz- und entzündungshemmende Wirkung. So kann man die Karde bei infektiösen Hauterkrankungen, wie schon von Dioskurides empfohlen, anwenden. Diese entzündungshemmende Wirkung kann ebenfalls gegen Rheuma und Arthritis helfen.

All diese Anwendungsmöglichkeiten stehen aber seit dem Buch von Wolf-Dieter Storl hinten an. 

Wolf-Dieter Storl geht nach der sogenannten Signaturlehre und setzt die typische im Kreis aufblühenden Blütenstände der wilden Karde mit der sogenannten „Wanderröte“ oder Erythema migrans gleich. Diese für eine Borreliose typische Hauterscheinung gilt als sehr sicheres Symptom.

Die Borreliose auch als Lyme-Borreliose bekannte Erkrankung, wird von Zecken übertragen die mit den Spirochäten Borrelia burgdorferi besiedelt sind. Nur ca. 30% aller Zecken haben dieses Bakterium im Darm und es braucht einen längeren Zeitraum bis es von der Zecke in den Menschen gelangen kann. In der Akutphase der Borreliose gibt es die Möglichkeit mit Antibiotika zu behandeln. Haben die Bakterien aber die Möglichkeit sich im Organismus „zu verstecken“ kann es zu chronischen Symptomen kommen wogegen Antibiotika keine Wirkung mehr haben. Hier kommt die Karde zum Einsatz. In Studien der Universität Leipzig konnte inzwischen eine hemmende Wirkung auf das Bakterium nachgewiesen werden. Da die Karde als gut verträglich gilt, ist ein Einsatz gegen Borreliose auf jeden Fall ein Versuch wert. In der Akutphase sollte auf eine Antibiotika Therapie nicht verzichtet werden. Aber im chronischen Fall in welchem Antibiotika meist versagen gilt die Karde als großer Hoffnungsträger.

Einjährige wilde Karde
Wilde Karde in Haithabu
blühende wilde Karde
Ringförmige Blüte der wilden Karde
Samenstände der wilden Karde
Samenstände der wilden Karde

 

Neues aus der Praxis Heilkraut

Die Programmhefte der VHS Eckernförde sind inzwischen gedruckt und die Termine stehen fest. Wie schon im letzten Monat berichtet, starte ich mit der ersten Heilkräuterwanderung im Herbst wieder entlang des Windebyer Noor am 17.09.2022. Am 8. Oktober folgt ein Basis Kurs über und mit „Ätherischen Ölen“. Hier möchte ich die Grundlagen über den Umgang mit ätherischen Ölen vermitteln, die dann in den folgenden Kursen angewendet werden können. Im November folgt der beliebte Kurs „Naturheilkunde in der Erkältungszeit“, auch hierfür habe ich schon wieder einige neue Ideen, also lasst Euch überraschen.

Euch allen einen schönen Sommer, bleibt gesund und wenn Ihr Unterstützung benötigt, wendet Euch wie immer vertrauensvoll an mich.

Eure Charlotte Bronst