Echtes Mädesüß – die Heilpflanze im November

Echtes Mädesüß – Filipendula ulmaria

Im November und damit dem Beginn der Erkältungszeit möchte ich hier als Heilpflanze das echte Mädesüß vorstellen. Eine inzwischen leider (fast) vergessene Heilpflanze die einem bekannten Medikament als Namensgeber diente dem Aspirin®.

Auch wenn man heute weiss, dass das Mädesüß zu den Rosengewächsen zu zählen ist, zählte man es früher zu den Spiersträuchern. Sein botanischer Name lautet daher auch Spiraea ulmaria. Nachdem der Apotheker Felix Hoffmann für seinen damaligen Arbeitgeber BAYER® den Wirkstoff Salicylsäure synthetisierte und ihm noch Acentanhydrid hinzufügte wurde der Name folgendermaßen abgeleitet A-Acetanhydrid + spirin-Spiraea = Aspirin

Die Geschichte des Mädesüß

Aber schon lange vor dem Aspirin® war das echte Mädesüß bekannt. Die Kelten verwendeten es zum Aromatisieren von Getränken wie Met, Bier oder Wein. Außerdem zählt es zu den drei heiligen Kräutern der Druiden. Der süße mandelartige Duft den die Blüten verbreiten diente der Namensgebung (im Englischen meadowsweet) und hat wenig mit süssen Mädchen zu tun.

Die ersten medizinischen Anwendungen gehen in das frühe 16. Jahrhundert zurück. Damals haben die beiden Naturforscher und Ärzte Adam Lonicerus (1528–1586) und Hieronymus Bock (1489–1554) die Wirkung der Wurzel als harntreibend, gegen rheumatische Beschwerden und Durchfälle beschrieben. Nicolas Culpeper ein englischer Arzt des 17. Jahrhunderts lies die Blüten in Wein auskochten und Patienten mit Magen-Darm Koliken den Bauch damit einreiben. Was er damals nicht wusste ist, dass dadurch der Wirkstoff Salicylaldehyt durch die Haut aufgenommen wurde und so schmerzstillend wirkte.

Phytotherapeutischer Einsatz von Echtem Mädesüß

Wie schon aus den vorangehenden Abschnitten zu entnehmen ist, dient das echte Mädesüß auch heute noch als Schmerzmittel und wird zur Fiebersenkung eingesetzt. Aber es ist eine inzwischen wirklich fast vergessene Heilpflanze! Was auf Grund seiner umfassenden Wirkung sehr schade ist.

Auch wenn in allen Pflanzenteilen die Wirkstoffe enthalten sind, werden hauptsächlich die knospigen Blütenstände in der Phytotherapie angewendet, in ihnen ist der höchste Anteil an Salicylaldehyt vorhanden. Sie müssen getrocknet werden um ihre Wirkung zu entfalten. So wie das synthetische Aspirin wirkt es schmerzstillend, entzündungshemmend und fiebersenkend. Daher ist ein Tee aus Mädesüßblüten (maximal 2,5-3-5g/Tag) in der Erkältungszeit eine gute Maßnahme. Durch seine schweißtreibende Wirkung hilft er ähnlich wie Holunder das Fieber zu senken. Aber auch seine schmerzstillende Wirkung gegen die Kopf-, Muskel- und Gelenkschmerzen und das Hemmen weiterer Entzündungen im Körper sind hilfreich. Zu beachten ist, dass der Tee nicht mit kochendem Wasser aufgegossen wird, da sonst die Salicylaldehytverbindungen zerstört werden. Wie so oft in der Naturmedizin kann die ganze Pflanze aber deutlich mehr als der reine synthetische Wirkstoff! Denn neben Salicylaldehyd und Salicylsäuremethylester enthält das echte Mädesüß auch Flavonoide (Spiraesoid, Hyperosid, Rutin) und Gerbstoffe (Ellagitannine). Speziell der antioxidative Gerbstoff Ellagitannin zieht die Schleimhautoberfläche zusammen. Dadurch können Krankheitserreger nicht mehr so gut in die Schleimhaut eindringen und sich dort vermehren. Ihnen wird sozusagen der Nährboden entzogen und die Entzündung kann schneller abheilen.

Bei rheumatischen Beschwerden kommt neben der schmerzstillenden und entzündungshemmenden, noch die harntreibend Wirkung hinzu. Diese sorgt für einen besseren Abtransport von Stoffwechselprodukten. Auch bei Gicht kann man sich diese Kombination zu nutze machen. 

Gegen unreine Haut gerade in der Pubertät, kann man mit dem echten Mädesüß-Aufguss zwei bis dreimal wöchentlich ein Dampfbad machen. Die aufsteigende Salicylsäure löst die Verhornung an den verstopften Poren, so dass überschüssiger Talg und entzündlicher Eiter abfließen kann. In Kombination mit beruhigender Kamille und antibiotischem Thymian kann man diese Wirkung sogar noch verstärken.

Wegen seines positiven Effektes gegen Völlegefühl und Sodbrennen, wird in der französischen und in der belgischen Küche gerne ein Mädesüß-Sorbet zwischen zwei fettreichen Speisegängen gereicht.

Wer echtes Mädesüß anwenden möchte muss auf Fertigarzneimittel verzichten. Es gibt zwar einige Medikamente in denen Mädesüß als Zutat beigemischt ist, allein kann man es allerdings nur als Tee in einer gut sortierten Apotheke erwerben. Oder sich im nächsten Jahr bei den wieder anstehenden Heilkräuterwanderungen zeigen lassen wo man es findet, nämlich in feuchten Wiesen, Auen sowie an Bach- und Flussufern.

Vorsicht ist geboten bei Allergien gegen Salicylsäure, auch in der Schwangerschaft muss die Anwendung mit einem Arzt oder Heilpraktiker abgeklärt werden.

 

echtes MädesüßEchtes Mädesüß - die Heilpflanze im November                                                                                   echtes Mädesüß

 

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Auch gegen Deine Krankheit ist ein Kraut gewachsen!

Eure

Charlotte Bronst